Mobilität im ländlichen Raum: Warum Tempo 30 in Rickelrath ein Gewinn für alle ist

Zwei Arbeiter hängen ein Tempo 30 Schild wegen Lärmschutz auf.

Mobilität ist ein Grundbedürfnis – doch im ländlichen Raum trifft es auf eine Infrastruktur, die das Auto für viele Menschen weiterhin zum Standard macht. Der ÖPNV bleibt hinter den Erwartungen zurück, und das Fahrrad wird häufig eher am Wochenende genutzt als im Alltag.

In Rickelrath zeigt sich besonders deutlich, welche Folgen diese Verkehrslast hat: 9.713 Fahrzeuge pro Tag passieren die Ortsdurchfahrt. Viele Häuser stehen dicht an der Straße – die Belastung durch Verkehrslärm ist für die Anwohnerinnen und Anwohner alltägliche Realität. Der Lärmaktionsplan 2024 hat dies klar bestätigt: Die Ortsdurchfahrt ist die Problemzone Nr. 1 in Wegberg. Grenzwerte werden überschritten, doch konkrete Maßnahmen blieben lange aus. Dabei wissen alle, die Tag und Nacht Verkehrslärm ausgesetzt sind: Das ist kein Luxusproblem, sondern eine Frage der Gesundheit.

🔊 Was tun gegen den Lärm?

In Rickelrath wurden über Jahre viele Ideen diskutiert – von einer östlichen Umgehungsstraße über ein LKW‑Fahrverbot bis hin zu Tunnelvarianten. Doch hohe Kosten, fehlende Genehmigungsfähigkeit und massive Eingriffe in Natur und Landschaft machten schnell deutlich: Viele dieser Vorschläge sind nicht realistisch.

Eine Maßnahme hingegen ist sofort wirksam, kostengünstig und überall dort erfolgreich, wo sie umgesetzt wurde: Tempo 30.

Doch auch dazu gab es in Rickelrath kontroverse Diskussionen. Manche zweifelten die Wirksamkeit an, andere argumentierten, langsameres Fahren würde den Lärm sogar erhöhen. Wieder andere lehnten Tempolimits grundsätzlich ab. Dabei zeigt die Forschung eindeutig: Tempo 30 reduziert Lärm, erhöht die Verkehrssicherheit und verbessert die Lebensqualität.

🌱 Der lange Weg zu Tempo 30 – und wer ihn möglich gemacht hat

Bereits 2021 stellten BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Wegberg im Stadtrat den Antrag, Tempo 30 in der Ortsdurchfahrt Rickelrath einzuführen. Die Verwaltung lehnte dies damals mit Verweis auf fehlende rechtliche Grundlagen ab. Auch der Lärmaktionsplan 2024 brachte zunächst keine Bewegung.

Erst das beharrliche Engagement des Angerdorfvereins rund um Michael Reiners – unterstützt durch viele Bürgerinnen und Bürger sowie politische Flankierung – führte zu einem Umdenken. 2025 entschied die Verwaltung unter Bürgermeister Christian Pape, zumindest im zentralen Bereich rund um den Dorfanger Tempo 30 anzuordnen – allerdings aus Gründen der Verkehrssicherheit, nicht des Lärmschutzes. Für viele Anwohner blieb das unbefriedigend.

Doch die Rickelratherinnen und Rickelrather gaben nicht auf. Mit einem Bürgerantrag und kontinuierlichem Druck gelang es schließlich, die Verwaltung zu bewegen: Im April 2026 kündigten Bürgermeister Pape und Amtsleiterin Sonja Krämer an, Tempo 30 nun auch aus Lärmschutzgründen gegenüber Straßen.NRW einzufordern.

Am 12. Juni 2026 begann die Beschilderung – ein Meilenstein für das Dorf.

🎉 Ein Erfolg für Rickelrath – und ein Signal für ganz Wegberg

Viele Menschen in Rickelrath feiern Tempo 30:

  • weil es leiser wird
  • weil es sicherer wird
  • weil es die Lebensqualität im Dorf steigert

Natürlich gibt es auch kritische Stimmen – wie bei jeder Veränderung. Doch der Schritt ist richtig, wichtig und längst überfällig.

💚 Unser Fazit als GRÜNE Wegberg

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Wegberg gratulieren dem Angerdorf Rickelrath herzlich zu diesem Erfolg. Wir würdigen das beeindruckende bürgerschaftliche Engagement, das diesen Fortschritt erst möglich gemacht hat.

Tempo 30 ist ein Gewinn für alle – und hoffentlich der Auftakt für ein umfassenderes verkehrspolitisches Umdenken in unserer Stadt.

Wir setzen uns weiter ein für:

  • eine Lärmreduzierung in Klinkum,
  • einen fahrradgerechten Innenring,
  • und eine Mobilitätspolitik, die Menschen schützt und Lebensqualität schafft.

Wir wünschen Bürgermeister Christian Pape weiterhin ein gutes Händchen für mutige und nachhaltige Entscheidungen.

Autor: Marc Ostendorp

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