Warum der Rat den Bahn-Beschluss am 7. Juli nicht zurücknehmen sollte
In der Ratssitzung am 7. Juli wird über einen Bürgerantrag abgestimmt, der den Wegberger Beschluss vom 11. Februar 2025 zum Ausbau des Schienenpersonenverkehrs zurücknehmen soll. Der Antrag will festschreiben, dass die Strecke zwischen Wegberg und Dalheim ohne Elektrifizierung, ohne zweites Gleis, ohne Weiterführung durch den Meinweg und ausschließlich mit batteriebetriebenen Zügen in „bedarfsgerechter“ Frequenz betrieben wird. Mehrere Fraktionen wollen dieser Zurücknahme zustimmen. Wir halten das für einen schweren Fehler, der Wegberg schadet.
Viele Bürger:innen haben uns bei zahlreichen Veranstaltungen gesagt, dass sie sich eine zuverlässige Bahnverbindung in die benachbarten Großstädte wünschen. Wie unzuverlässig die Strecke heute ist, weiß in Wegberg fast jede:r aus eigener Erfahrung, und es ist sogar überregional dokumentiert: Laut Rheinischer Post hält in Wegberg der unpünktlichste Zug ganz Nordrhein-Westfalens. Das liegt maßgeblich daran, dass auf der weitgehend eingleisigen Strecke schon eine einzige Verspätung weitere Verspätungen nach sich zieht, weil die Züge einander nicht ausweichen können. Genau hier setzt der Ausbau an.
Lärm, Umwelt und Gesundheit werden geprüft, das schreibt das Gesetz vor
Die Bürgerinitiative und die zustimmungsbereiten Fraktionen führen Argumente zu Lärmschutz, Umweltschutz und Gesundheitsvorsorge an. Als GRÜNE setzen wir uns seit jeher für genau diese Belange ein und halten trotzdem dagegen: Jeder dieser Punkte wird bei konkreten Ausbauplänen ohnehin von den zuständigen Behörden geprüft. Das ist keine Meinung, sondern geltendes Recht. Die Stadtverwaltung selbst stellt in ihrer Vorlage klar, dass Lärmschutz, Gesundheitsvorsorge, Umweltbelange und das Planfeststellungsverfahren „gesetzlich vorgesehene Prüf- und Abwägungsbelange“ sind, die im weiteren Verfahren verbindlich berücksichtigt werden. Eine Zustimmung Wegbergs zum Ausbau macht diese Prüfung also nicht überflüssig; sie ist nur ein erster Schritt.
Befürchtet wird zudem, dass ein zweites Gleis Schulwege, ältere Menschen und den Verkehr stärker behindert. Tatsächlich erzeugt aber der Autoverkehr zu Stoßzeiten die größten Behinderungen. Eine funktionierende Pendlerstrecke holt Autos von der Straße und macht unsere Wege sicherer, nicht gefährlicher.
Güterverkehr: Der Beschluss schließt ihn aus, statt ihn zu ermöglichen
Ein zentrales Argument der Gegenseite lautet, der Ausbau für den Personenverkehr ebne langfristig den Weg für Güterverkehr durch Wegberg, sei es als „Eiserner Rhein“ von Antwerpen durchs Ruhrgebiet oder über die von der Bezirksregierung Köln gesicherte Alttrasse Arsbeck-Elmpt. Diese Sorge nehmen wir ernst. Sie spricht aber gerade gegen die Zurücknahme: Denn der Beschluss vom 11. Februar 2025 lehnt den „Eisernen Rhein“ als Güterstrecke durch Wegberg ausdrücklich ab. Er schützt uns, statt uns zu gefährden.
Die separat von der Bezirksregierung verfolgte Trasse Arsbeck-Elmpt würde durch eine Rücknahme unseres Beschlusses ohnehin nicht aufgehalten; sie ist ein eigenes Thema, bei dem wir wachsam bleiben. Und eine einmal für den Personenverkehr freigegebene Strecke lässt sich nicht ohne Weiteres für Güterzüge nutzen: Dafür wäre ein neues Verfahren nötig, in dem Wegberg erneut angehört würde, und sowohl Politik als auch Verwaltung sind strikt gegen Güterverkehr durch unsere Stadt. Wer den Personenverkehr stoppt, stoppt den Güterverkehr nicht. Er verschenkt nur die Chance auf eine bessere Bahnanbindung.
Auch die mögliche spätere Verlängerung Richtung Roermond durch den Nationalpark De Meinweg wird ins Feld geführt. Als GRÜNE nehmen wir den Schutz dieses Gebiets ernst, und gerade deshalb gehört eine solche Trassenführung in ein sorgfältiges Planungs- und Genehmigungsverfahren, an dem auch niederländische Naturschutzbehörden beteiligt sind. Wer dagegen heute pauschal jede Reaktivierung blockiert, schützt den Meinweg nicht, sondern gibt nur Wegbergs Mitspracherecht aus der Hand.
Elektrifizierung oder Batterie? Keine Frage für einen Ratsbeschluss
Der Antrag lehnt die Elektrifizierung ab, fordert ausschließlich batteriebetriebene Züge und beruft sich auf deren angebliche Unwirtschaftlichkeit. Doch ob elektrifiziert oder mit Akku gefahren wird, ist keine Frage, die ein Wegberger Stadtratsbeschluss entscheiden kann oder sollte. Diese betriebliche Entscheidung treffen die zuständigen Stellen, also go.Rheinland, das Land NRW und das Eisenbahn-Bundesamt, gemeinsam mit den Unternehmen, die die Strecke betreiben und denen wir durchaus zutrauen, selbst wirtschaftlich zu denken. Im Übrigen ergeben batteriebetriebene Züge ohne jede Lademöglichkeit auf der Strecke wenig Sinn: Sie könnten nur an den Endbahnhöfen laden und stünden in dieser Zeit für die Verbindung nicht zur Verfügung.
Eine kommunale Festlegung auf eine bestimmte Technik hätte ohnehin keine bindende Wirkung, sie könnte aber Schaden anrichten: Sie gefährdet die Ergebnisoffenheit, die Voraussetzung für die Förderung von Wegbergs eigenem Mobilitätskonzept ist.
Den Takt auszudünnen wäre kurzsichtig
Die nun ablehnenden Fraktionen führen außerdem an, zu wenige Fahrgäste nutzten die Verbindung von Dalheim nach Mönchengladbach, und fordern eine Ausdünnung des Takts. Doch die geringe Nachfrage ist vor allem eine Folge der heutigen Unzuverlässigkeit: Wer sich auf die Bahn nicht verlassen kann, nimmt das Auto. Den Takt jetzt zu reduzieren, wäre eine sich selbst erfüllende Prophezeiung: je schlechter das Angebot, desto weniger Fahrgäste. Viele Bürger:innen wünschen sich das genaue Gegenteil.
Den Beschluss vom Februar 2025 hat der Rat mehrheitlich und über Fraktionsgrenzen hinweg gefasst. Ihn jetzt zurückzunehmen, weil eine Minderheit es lautstark fordert, sendet ein fatales Signal und lässt Wegberg als unzuverlässigen Partner dastehen, in dieser wie in anderen Fragen. So ausdrücklich wir das Engagement der Bürgerinitiative als demokratisches Instrument begrüßen: Wir dürfen darüber die Belange all jener Wegberger:innen nicht aus den Augen verlieren, die nicht direkt an der Strecke wohnen.
Worum es wirklich geht
Die Zurücknahme des Beschlusses wäre umweltfeindlich, sie macht Wegberg als Pendler- und Wohnort unattraktiver, und sie opfert die Interessen aller Wegberger:innen den lautstarken Forderungen einiger weniger. Selbst die Verwaltung rät davon ab.
Wenn du als Wegberger:in zuverlässig mit dem Zug nach Mönchengladbach und in Zukunft vielleicht sogar nach Neuss, Düsseldorf und Roermond fahren möchtest, dann wende dich bis zum 7. Juli an deine politischen Vertreter:innen und sag es ihnen, damit auch deine Stimme gehört wird.
Deine Wünsche, Argumente und Sorgen kannst du uns auch an antworten@gruene-wegberg.de senden.